Ohne Plan und eher aus Langeweile fotografiere ich abends eine Ecke unter dem Fenster. Dort habe ich vor wenigen Tagen ein Schubladenregal hingestellt und alles passt haargenau. Ein Tischler hätte es nicht besser gemacht. Ich fotografiere durch die Scheibe der geöffneten Balkontür. Dadurch bekommt das eigentlich langweilige Motiv einen triftigen Grund zum Ansehen. Das Bild wird dadurch deutlich spannender. Ein Trick, den ich mir merken werde.

 

Keine Lust raus zu gehen. Soll ich ein Foto durchs Fenster machen? Wird man den Regen sehen? Ja, wenn man mit den Fokus richtig legt. Also versuche ich es gleich im manuellen Modus und siehe da, es gelingt auf recht gut. Obwohl wenig auf dem Foto zu sehen ist, erzählt es die ganze Geschichte: Regentag, trübes Wetter, kein Zugang zur Außenwelt ...

 

Ich sollte öfters früh aufstehen und dann gleich eine Fototour starten. Morgens ist alles anders, die Natur ist frisch, keine Menschen sind unterwegs und die Sonne bricht ganz plötzlich mit voller Kraft durch die Wolken. Auch Nebel ist ein guter Grund, um mit der Kamera loszuziehen.

 

Eine junge Ente hat mich im Blick und ich verfolge sie im Sucher. Ich nehme mir Zeit, das Tier will nicht flüchten. Und dann gelingt es mir auch eine wirklich scharfe Aufnahme zu machen. Der Fokus liegt im Gesicht, auf den Augen und dort gehört er bekanntlich hin. Bei der Entwicklung mache ich einen Fehler und helle nicht nur Hals, sondern auch die Flächen daneben auf. Nun sieht es aus, als hätte die Ente einen Leuchtschein. Nächstes Mal mache ich es besser.

 

Mehr Kontrast geht nicht und ich entscheide mich dafür auf keinen Fall zu viel Belichtung zu geben. Dann würde das Weiß der Blüten alles überstrahlen. Die Konturen der feinen Blätter würden verschwimmen. Die Schmetterlinge, zwei Admirale, fallen durch den orangen Saum an den Flügeln auf. Die schwarze Fläche verschluckt leider jede Linie, aber darauf kommt es hier nicht an. Entscheidend ist der Farbkontrast auf den Flügeln.

 

Ein Pfauenauge ist nicht immer zu finden und deshalb ein Foto wert. Die Zeichnung ist beeindruckend. Ich muss aufpassen den richtigen Moment zu finden, denn der Schmetterling schlägt regelmäßig die Flügel zusammen und dann sind die dekorativen Augen natürlich nicht mehr sichtbar. Ich benutze eine leichte Tele-Brennweite, damit kann ich das Tier gut freistellen, denn der Hintergrund liegt außerhalb des Schärfebereichs.

 

Ein trüber Tag. Keine Lust, die Wohnung zu verlassen. Zwei Aufkleber sind neu an der Scheibe, denn Vögel fliegen immer mal wieder gegen das Glas. Nun ja, das Bild ist technisch in Ordnung, hat aber wenig Aussage. Bei Sonnenschein wären die Farben leuchtender. Irgendwie passt es aber schon zu der Stimmung, die mich heute umfängt.

 

 

Inzwischen habe ich mich ein wenig mit PhotoShop beschäftigt. Corona macht's möglich, die Langeweile muss bekämpft werden. In die hellen Flächen einen Himmel einzufügen, ist mit Lightroom nicht möglich, denn das ist eine Aufgabe, die den Rahmen der Entwicklung sprengt. Aber PhotoShop, ein Bildbearbeitungsprogramm, meistert es. Der Postkarten-Look ist technisch gut, nur die Stimmung ist futsch und darum ging es eigentlich. Gutes Beispiel, wie relativ kleine Änderungen eine Aussage auf den Kopf stellen können. Gilt das nur für die Foto-Entwicklung oder auch für das reale Leben?