399. Tag

Das Projekt war ein Erfolg. Ich habe es regelmäßig fortgesetzt, merkte zunächst nur wenig Wirkung. Aber dann stellten sich Änderungen ein. Manchmal musste ich genau der inneren Stimme zuhören, um sie wahrzunehmen. – Heute ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen habe ich mich erneut für einen Umzug entschieden und bin auf einer Warteliste. Mit etwas Glück könnte es im Jahr 2022 klappen. Die neue Wohnung wird kleiner sein, ich muss mich bzw. meinen Haushalt ausdünnen. Das ist mir gelungen, und zwar besser als gedacht. Dank der Vorarbeit, dem Putzen, Wischen, Aufräumen usw. hatte ich einen Einstieg gefunden, der funktionierte. Heute, ein Jahr später, habe ich eine völlig andere Einstellung zu meinen Sachen. Die Bibliothek, die mir immer wichtig war, hat sich auf ein Drittel reduziert. Nur wenige Bücher sind geblieben, nur wenige sind mir wirklich wichtig. Die in englischer Sprache geschriebenen, die Bildbände von London, die Fachbücher über das Fotografieren und das Programmieren haben sich als wertvoll erwiesen. Diese Bücher nehme ich mit, sie sind mir (noch) nicht verzichtbar. Regale und Schränke wurden erst geleert und dann entfernt. Der Sperrmüll hat den Keller geräumt, der Kleiderschrank steht leer. Das ganze letzte Jahr habe ich entsorgt und nun sind ohne Frage Lücken zu sehen. Sie haben einen triftigen Grund, ermöglichen sie mir doch den geplanten Wohnungswechsel und deshalb fülle ich sie auch nicht wieder voll. Aber es ist ein wunderbares Gefühl entstanden, nämlich eine Leichtigkeit und Ungebundenheit, die ich lange nicht mehr fühlte.

 

Umzug vom Stadtrand in die HafenCity. Die Visitenkarten haben ich schon drucken lassen.

 

Und die Moral?

Wenn man glaubt, es wird sich nie etwas ändern, dann stimmt das leider, denn man ist selbst die Ursache für das Feststecken. In solcher Situation ist man traurig, manchmal verzweifelt und oft kraftlos. Da fällt es schwer etwas Neues zu wagen. Man kann doch kaum das Alte ertragen. Aber man muss auch gar keinen Kraftakt vollbringen. Stattdessen sollte man sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen und einfach loslassen. Aber bitte konsequent. Also  Sachen nicht in den Keller tragen, sondern wirklich entsorgen. Das gilt für den realen Müll und für den sprichwörtlichen. Wenn es der richtige Weg ist, dann stellt sich binnen kürzester Zeit Heiterkeit ein. Dann kann es passieren, dass man sich beim Loslassen bremsen muss, denn ganz ohne Bett, Tisch und Stuhl wird das Leben unkomfortabel. Viel Glück.